Falsches Gießen ist einer der häufigsten Fehler im Indoor-Grow — und gleichzeitig einer der schwerer zu erkennenden. Überwässerung sieht oft genauso aus wie Unterwässerung, und ein falscher pH-Wert im Gießwasser kann Nährstoffmängel verursachen, die nichts mit dem Dünger zu tun haben. Dieser Artikel erklärt, worauf es beim Gießen wirklich ankommt: Zeitpunkt, Menge, Substrat, Topftyp und Wasserqualität.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Gießen?
Im Indoor-Grow empfiehlt es sich, kurz nach dem Einschalten der Lichter zu gießen. Die Pflanzen sind dann aktiv, die Transpiration läuft an und das Wasser wird schnell aufgenommen. Gießen kurz vor der Dunkelphase ist weniger günstig: Das Substrat bleibt länger nass, die Verdunstung sinkt, und das Risiko für Schimmel und Wurzelprobleme steigt.
Den richtigen Zeitpunkt erkennst du am zuverlässigsten am Topfgewicht. Hebe den Topf nach dem Gießen an und merke dir das Gewicht. Wenn er deutlich leichter ist, ist es Zeit für den nächsten Gießvorgang. Diese Methode funktioniert unabhängig vom Substrat und gibt dir ein direktes Gefühl für den Wassergehalt.
Unter starker LED-Beleuchtung und bei hoher Temperatur trocknen Töpfe schneller aus. In solchen Setups kann tägliches Gießen notwendig sein. In kühleren oder weniger intensiven Umgebungen reichen oft zwei bis drei Tage zwischen den Gießvorgängen.
Wie viel Wasser pro Gießvorgang?
Eine bewährte Orientierung: etwa 10 bis 20 Prozent des Topfvolumens pro Gießvorgang. Bei einem 10-Liter-Topf sind das 1 bis 2 Liter. Gieße langsam und gleichmäßig, damit das Wasser tief ins Substrat eindringt und keine Trockenstellen entstehen.
Nach dem Gießen sollte eine kleine Menge Wasser durch die Drainagelöcher abfließen — das zeigt, dass das gesamte Substrat durchfeuchtet wurde. Wenn kein Drain kommt, wurde möglicherweise zu wenig gegossen oder das Substrat hat sich verdichtet. Wenn sehr viel Drain kommt, wurde zu viel auf einmal gegossen.
Wichtig: Untersetzer regelmäßig leeren. Stehendes Wasser im Untersetzer fördert Wurzelfäule und erhöht die Luftfeuchtigkeit unkontrolliert. Die vollständige Auswahl an Töpfen und Untersetzern bei GoGrow ist nach Topftyp und Volumen sortiert.
Gießen nach Wachstumsphase
Keimling und Jungpflanze
Junge Pflanzen haben ein kleines Wurzelsystem und brauchen wenig Wasser. Gieße in einem kleinen Kreis um die Pflanze herum, um die Wurzeln zur Ausbreitung anzuregen. Zu viel Wasser in einem großen Topf mit kleiner Pflanze führt fast immer zu Problemen — das Substrat bleibt zu lange nass, weil die Wurzeln noch nicht den gesamten Topf durchziehen.
Wachstumsphase
Mit wachsender Pflanze steigt der Wasserbedarf. Gieße seltener, aber durchdringender — das Wasser soll tief ins Substrat eindringen und die Wurzeln in die Tiefe ziehen. Zwischen den Gießvorgängen sollte das Substrat leicht antrocknen, aber nicht vollständig austrocknen.
Blütephase
In der Blütephase ist der Wasserbedarf am höchsten. Halte das Substrat gleichmäßig feucht, vermeide aber Staunässe. Regelmäßige Kontrolle des Topfgewichts und des Drain-Wassers hilft, den richtigen Rhythmus zu finden.
Kurz vor der Ernte
In den letzten Tagen vor der Ernte reduzieren viele Grower die Bewässerung schrittweise. Das Substrat darf leicht antrocknen, sollte aber nicht vollständig austrocknen. Ziel ist ein kontrollierter Trockenstress, kein Schaden an der Pflanze.
pH-Wert des Gießwassers
Der pH-Wert des Gießwassers beeinflusst direkt, welche Nährstoffe die Pflanze aufnehmen kann. Liegt er außerhalb des optimalen Bereichs, entstehen Nährstoffsperren — auch wenn du ausreichend düngst.
- Erde: pH 6,0–7,0
- Coco und Hydro: pH 5,5–6,5
Miss den pH-Wert vor jedem Gießen. Zum Senken eignet sich BioBizz Bio-Down, zum Anheben BioBizz Bio-Up. Die vollständige Auswahl an pH- und EC-Messgeräten findest du bei GoGrow.
EC-Wert und Nährstoffkonzentration
Der EC-Wert (elektrische Leitfähigkeit) misst die Konzentration gelöster Salze im Wasser — also die Nährstoffmenge. Er ist vor allem bei mineralischen Düngern relevant, weil diese sofort verfügbar sind und bei Überdosierung schnell zu Verbrennungen führen können.
| Wachstumsphase | Empfohlener EC-Wert |
|---|---|
| Keimling / Jungpflanze | 0,4–0,8 mS/cm |
| Vegetative Phase | 1,0–2,0 mS/cm |
| Blütephase | 1,2–2,4 mS/cm |
| Spätblüte / Auswaschung | 0,5–1,0 mS/cm |
Mehr zur EC-Messung und zur richtigen Interpretation von Drain-Werten erklärt der Artikel EC-Wert messen im Grow richtig erklärt.
Mineralische vs. biologische Dünger: Unterschiede beim Gießen
Mineralische Dünger
Mineralische Nährstoffe sind sofort pflanzenverfügbar. Das bedeutet: schnelle Wirkung, aber auch schnelle Probleme bei Überdosierung. EC-Wert und pH-Wert müssen bei jedem Gießvorgang kontrolliert werden. Das Substrat kann zwischen den Gießvorgängen stärker antrocknen, ohne dass Mikroorganismen Schaden nehmen. Mineralische Dünger-Startersets bei GoGrow sind nach Substrat und Wasserhärte filterbar.
Biologische Dünger
Biologische Dünger arbeiten über Mikroorganismen im Substrat. Diese sind empfindlicher gegenüber Wasserqualität und -temperatur. Verwende möglichst nicht-chloriertes Wasser — Leitungswasser 24 Stunden stehen lassen oder filtern hilft. Das Substrat sollte nie vollständig austrocknen, da die Mikroorganismen sonst absterben und neu aufgebaut werden müssen. Biologische Dünger-Startersets findest du ebenfalls bei GoGrow.
Wasserhärte und ihre Auswirkung
Hartes Leitungswasser enthält hohe Konzentrationen von Kalzium und Magnesium. Das kann die Nährstoffbalance verschieben und bei mineralischen Düngern zu Überdüngung einzelner Elemente führen. Bei biologischen Düngern beeinträchtigt hartes Wasser die Mikroorganismen im Substrat.
Wenn du weißt, dass dein Leitungswasser hart ist, gibt es zwei Optionen: hartes Wasser mit entmineralisiertem Wasser mischen oder ein Düngesystem wählen, das speziell für hartes Wasser formuliert ist. Das Terra Aquatica TriPart Starterkit für hartes Wasser ist dafür ausgelegt. Für weiches Wasser gibt es das entsprechende TriPart Starterkit für weiches Wasser.
Richtig gießen nach Substrat
Erde
Erde speichert Wasser gut und verzeiht längere Gießintervalle. Das Risiko liegt in der Überwässerung: Wenn das Substrat dauerhaft nass bleibt, fehlt den Wurzeln Sauerstoff. Gieße langsam und gründlich, warte bis der Topf deutlich leichter ist, bevor du wieder gießt. Perlit-Anteile in der Erde verbessern die Drainage und reduzieren das Überwässerungsrisiko.
Coco
Coco trocknet schneller aus als Erde und verlangt häufigeres Gießen. Es ist schwerer zu überwässern, weil Coco sehr luftig bleibt. Halte das Substrat gleichmäßig feucht — kurze Trockenphasen sind möglich, aber vollständiges Austrocknen sollte vermieden werden. EC- und pH-Kontrolle sind bei Coco besonders wichtig, da das Medium weniger puffert als Erde.
Blähton und hydroponische Medien
Blähton speichert kaum Wasser und braucht häufige oder kontinuierliche Bewässerung. In hydroponischen Systemen sind Nährlösung, pH-Wert und EC-Wert die entscheidenden Stellschrauben. Wurzeln dürfen nicht dauerhaft in stehendem Wasser stehen — ausreichend Sauerstoffeintrag ist Pflicht.
Gießen nach Topftyp
Normale Kunststofftöpfe
Weit verbreitet und einfach zu handhaben. Drainagelöcher müssen frei sein. Wasser bleibt länger im Substrat als bei Stoff- oder Air-Pots — Gießintervalle entsprechend anpassen.
Stofftöpfe
Stofftöpfe bieten gute Belüftung und verhindern Wurzelumwuchs durch Air-Pruning. Sie trocknen schneller aus als Kunststofftöpfe — häufigeres Gießen ist nötig. Beim Gießen langsam vorgehen, damit das Wasser nicht sofort durch die Seiten läuft, bevor es ins Substrat eindringt.
Air-Pots
Air-Pots fördern die Luftzirkulation und verhindern Wurzelumwuchs. Ähnlich wie Stofftöpfe trocknen sie schneller aus. Beim Gießen das Substrat zuerst leicht anfeuchten, dann langsam und gleichmäßig gießen, damit das Wasser nicht durch die Öffnungen abläuft, bevor es aufgenommen wird.
Die vollständige Auswahl an Töpfen und Untersetzern — von Kunststoff über Stoff bis Air-Pot — findest du bei GoGrow.
Automatische Bewässerungssysteme
Wer regelmäßig abwesend ist oder mehrere Pflanzen gleichzeitig versorgt, profitiert von einem automatischen Bewässerungssystem. Tropfsysteme, passive Ventillösungen wie AutoPot oder Schwerkraftsysteme übernehmen die Wasserversorgung zuverlässig und gleichmäßig.
Wichtig: Nicht alle Dünger sind für automatische Systeme geeignet. Organische Dünger mit Feststoffanteilen können Leitungen und Tropfer verstopfen. Prüfe vor dem Einsatz, ob dein Dünger für das jeweilige System freigegeben ist. Mehr dazu erklärt der Artikel Indoor Bewässerungssystem Erklärung.
Häufige Fragen: Richtig gießen im Indoor-Grow
Wie erkenne ich Überwässerung?
Gelbe, schlaffe Blätter, die sich nicht erholen, obwohl der Topf schwer ist — das ist ein klassisches Zeichen. Der Topf fühlt sich dauerhaft schwer an, das Substrat trocknet nicht aus. Lösung: Gießintervalle verlängern, Drainage prüfen, Substrat auf Luftigkeit kontrollieren.
Wie erkenne ich Unterwässerung?
Hängende, trockene Blätter und ein sehr leichter Topf. Die Pflanze erholt sich schnell nach dem Gießen. Lösung: Gießintervalle verkürzen, Substrat auf Wasserhaltefähigkeit prüfen.
Muss ich den pH-Wert bei biologischen Düngern auch messen?
Ja. Auch bei biologischen Düngern beeinflusst der pH-Wert die Nährstoffverfügbarkeit. Der optimale Bereich ist derselbe: 6,0–7,0 in Erde, 5,5–6,5 in Coco. Biologische Dünger puffern den pH-Wert etwas besser als mineralische, aber eine regelmäßige Kontrolle mit einem pH-Messgerät bleibt sinnvoll.
Wie oft sollte ich bei Coco gießen?
Das hängt von Topfgröße, Pflanzengröße, Lichtintensität und Temperatur ab. Als Orientierung: Coco sollte nie vollständig austrocknen, aber auch nicht dauerhaft nass sein. Unter starker LED kann tägliches Gießen nötig sein, in frühen Phasen mit kleinen Pflanzen reichen oft zwei Tage. Das Topfgewicht ist der verlässlichste Indikator.



